Deutscher Glücksspiel-Staatsvertrag unter Beschuss

Heike Cole - 19-02-2020

Deutscher Glücksspiel-Staatsvertrag führt zu UnzufriedenheitDeutschlands 16 Länder sind sich zwar nach langer Zeit nun endlich einig, wie ein neuer Glücksspiel-Staatsvertrag prinzipiell aussehen könnte, aber die Einschränkungen, die Online-Casinos auferlegt werden sollen, geben weiterhin Anlass zu großer Sorge. Das geht so weit, dass sich nun sogar der ehemalige Geschäftsführer von Bwin Deutschland, Jörg Wacker, zu Wort gemeldet hat. Wacker räumt zwar ein, dass Deutschland in der Tat große Fortschritte gemacht hat, doch er ist nach wie vor besorgt über die Schärfe der Einschränkungen, die der Online-Casino-Branche auferlegt werden sollen, und sagt, dass übertrieben strenge Auflagen lediglich dazu beitragen werden, dass Spieler sich stattdessen wieder an Schwarzmarktanbieter wenden.

Verschiedene Interessenvertreter der Branche haben die Länder zu der Entscheidung beglückwünscht, sich auf ernsthafte Gespräche einzulassen, aber mindestens genauso viele bleiben besorgt, insbesondere in Hinblick auf die Einschränkungen, die für Sportwettenanbieter geplant sind.

Einschränkungen sind übertrieben

Wacker unterstützt mittlerweile die allgemeine Auffassung, die unter anderem auch vom Deutschen Sportwettenverband (DSWV) und der European Gaming and Betting Association (EGBA) geteilt wird, dass die geplanten Beschränkungen für Aspekte wie ein Einzahlungslimit für Casinos oder die Beschränkung der Live-Wettmärkte, die von Buchmachern angeboten werden dürfen, drastisch und befremdlich sind.

Der allgemeine Konsens, den Wacker und viele andere vertreten, ist, dass der neue Vertrag durch die Einführung unangemessener Beschränkungen, insbesondere für die Anbieter von Sportwetten, das Gegenteil der ursprünglichen Absichten erreichen wird, die mit den vorgeschlagenen neuen Bestimmungen für Casinos verfolgt wurden. Die EGBA hat bereits früher erklärt, dass wenn die vorgeschlagenen Regelungen trotz der bestehenden Beschränkungen verabschiedet werden, das Ergebnis nachteilig und kontraproduktiv für die eigentliche Zielsetzung der Bestimmungen sein könnte.

Zu viel schadet dem Vorhaben

Wacker wies zudem darauf hin, dass allein Casinos und Sportwettenanbieter im Jahr 2019 weit über 500 Millionen Euro an Steuern in die Staatskasse eingezahlt haben. Damit untermauerte er  seine Ansicht, dass es überhaupt keinen Sinn mache, einer bereits maximal besteuerten Branche unpraktische Beschränkungen aufzuerlegen.

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Idee darin besteht, Spieler und Tipper dazu zu veranlassen, Angebote auf regulierten Websites zu nutzen. Wenn die derzeitigen Beschränkungen genau so in Kraft treten, wie sie derzeit geplant sind, dann wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich die Wettenden wieder auf das Angebot illegaler Anbieter einlassen und sich damit möglicherweise erheblichen Gefahren aussetzen.